Zu frischer Wind für konservative Kirchenführer | EUROPE ONLINE

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Papst Franziskus sorgt für frischen Wind in der katholischen Kirche. Nicht alle Kirchenführern Europas kommen damit gleichermaßen zurecht. Ausgerechnet die konservative Landeskirche der Slowakei ist nun Gastgeber ihrer Vollversammlung.

Bratislava (dpa) – Nicht nur der kalte Wind, der ihnen in Bratislava entgegen blies, dürfte manchen katholischen Kirchenführern Europas zu frisch gewesen sein. Während slowakische Meteorologen am Freitag den kältesten 4. Oktober seit 52 Jahren verzeichneten, suchten die wichtigsten Bischöfe Europas in Gebeten und Diskussionen nach Antworten auf den neuen Wind aus Rom, den Papst Franziskus mit einer Reihe von aufsehenerregenden Äußerungen entfacht hat. Was dabei herauskommt, soll aber erst am Montag nach der Konferenz veröffentlicht werden.

Unter dem Leitthema «Gott und Staat – Europa zwischen Laizität und Laizismus» will die noch bis Sonntag dauernde Großkonferenz die Rolle von Religion und Kirche in einem weltlicher gewordenen Europa definieren. Viele Gläubige und zuletzt auch die deutsche Bischofskonferenz zeigten sich erfreut über die von Papst Franziskus ausgelöste Aufbruchsstimmung. Ausgerechnet die als Gastgeber der Versammlung in Bratislava wirkende slowakische Landeskirche steht aber symbolhaft für jene konservativen Kirchenfürsten, die sich mit der neuen Öffnung schwerer tun.

Slowakische Medien und immer mehr Gläubige werfen ihrer Landeskirche vor, eisern an jenen Positionen festzuhalten, die Papst Franziskus zuletzt zum Ziel innerkirchlicher Selbstkritik gemacht hatte. Die Hauptthemen, mit denen die katholischen Bischöfe der Slowakei in den vergangenen Jahren an die Öffentlichkeit traten, waren der Kampf gegen Abtreibungen und gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Papst Franziskus hatte hingegen in einem aufsehenerregenden Zeitungsinterview gemahnt, die Kirche solle sich nicht so sehr auf heikle Fragen der Sexualmoral kaprizieren, sich nicht so sehr als moralische Instanz gerieren.

Da klang es fast wie ein trotziger Widerspruch, als Stanislav Zvolensky, der Vorsitzende der slowakischen Bischofskonferenz, am Donnerstag zur Eröffnung der Versammlung die Höherwertigkeit von «moralischen Prinzipien» gegenüber weltlichen Gesetzen betonte: «Nicht immer ist auch moralisch richtig, was gesetzlich erlaubt ist.» Erst vor wenigen Wochen hatte die slowakischen Bischofskonferenz in Kosice (Kaschau) eine Großdemonstration gegen Abtreibungen unter dem Titel «Marsch für das Leben» organisiert.

Und während Papst Franziskus die Kirche zur Öffnung aufruft, hat die katholische Bischofskonferenz der Slowakei den Geistlichen einen Maulkorb verpasst: Slowakischen Priestern ist es ausdrücklich verboten, sich ohne vorherige Erlaubnis ihres Bischofs gegenüber den Medien zu äußern. Zuvor hatten sich mehrfach auch Geistliche zu der umstrittenen Absetzung des Erzbischofs von Trnava, Robert Bezak, geäußert. Anhänger des als reformfreundlich und weltoffen geltenden Bezak werfen den anderen Bischöfen vor, gegen ihn im Vatikan intrigiert zu haben.

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