Missionar: «Die klassische Mission ist mir unmöglich geworden» – NZZ.ch

Auf Sendung – Mission im Wandel: «Die klassische Mission ist mir unmöglich geworden» -NZZ

Al Imfeld ist einst als Missionar nach Afrika aufgebrochen. Heute betrachtet er seine damalige Aufgabe kritisch. Mission, sagt er, könne nicht auf Religion beschränkt bleiben und müsse vor allem in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung geschehen.   von Nina Belz und Stefan Reis Schweizer

Al Imfeld sitzt in seinem Wohnzimmer im Zürcher Kreis 5. An den Wänden hängen Souvenirs aus Afrika: Masken und Musikinstrumente, Schnitzereien und Bilder. Auf dem Tisch liegen ein paar Briefe, darunter einer von einem alten Bekannten. Imfeld lehnt sich im Stuhl zurück und liest vor: «Mein lieber bunter Vogel Al, da hörte ich heute zwei Herren im gesetzten Alter über Dich reden. Der eine, ein ehemaliger Pfarrer aus dem Luzerner Hinterland, meinte, Du seiest wirklich ein Nestbeschmutzer. Macht zuerst 20 Jahre bei der Mission mit, um dann über alle den Mistkübel auszuschütten.» Al Imfeld lacht. Es ist nicht der erste Brief dieser Art, den er bekommt, und wahrscheinlich auch nicht der letzte. Vor kurzem hat er wieder ein Buch herausgegeben, mit Geschichten aus seiner Zeit als Missionar in Afrika. Er weiss: Auch dieses Mal wird es Leute geben, die sich an seinen Zeilen stören.

Herr Imfeld, wie kommt man dazu, Sie einen Nestbeschmutzer zu nennen?

Mein Verhalten ist natürlich bei der älteren Bevölkerung ein Tabu: Ein Priester ist ein Priester, selbst wenn er zweifelt. In diesem Fall zieht er sich zurück und schweigt.

«Mission beendet» heisst eines Ihrer neuesten Bücher, in dem Sie die klassische Mission der «Heidenbekehrung» kritisch beleuchten. Dabei waren Sie selbst in den sechziger Jahren im Dienste der Kirche in Afrika. Was ist seither passiert?

Die Mission hat sich überlebt in dem rein theologischen, bis anhin vorherrschenden Sinn, der auf den Evangelien beruht. Bisher wurde Mission eher theologisch und somit religiös verstanden, immer basierend auf einer Offenbarungsreligion. In meinen Augen ist das überholt. Aber ich bin weiterhin Mitglied der Missionsgesellschaft Immensee und ich würde sagen, ich habe immer noch eine Art Mission.

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